Autorenportrait Ulrich Karger

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KopfSteinPflasterEchos | Rezensionen und Empfehlungen (Auswahl)



"Deine Texte habe ich in Hotels und auf Bahnhöfen gelesen, und das war sicher kein schlechter Ort, denke ich: Derart umgeben von profaner Wirklichkeit, haben mich Deine Geschichten, Sketch für Sketch, ermuntert, diese unsere Erdbebenzeit (1) etwas gelassener zu sehen als man das normalerweise tut. Am besten gefällt's mir, wo's ins Groteske, Absurde 'abstürzt'. Da fühlt man sich, wo immer man gerade ist, schnell zu Hause:
'Er hatte sich genau an die Ratschläge gehalten und abgewartet.
Er wartete und wartete.'
(2)
Also sieh zu, daß Du das unter die Leute bringst."
Volker Kühn (TV-Regisseur und u.a. auch bekannt als Herausgeber und Verwalter des kabarettistischen Nachlasses von Wolfgang Neuss)
1(der frühere Arbeitstitel lautete: Frühlingserwachen in Erdbebenzeiten)
2(siehe Buch S. 96 f.)

"Die kurze und gebundene Form liegen ihm, das belegt sein dritter Band mit Kurzprosa. (...) Die "Grotesken" sind flotte kleine Miniaturen, voller exakter Beobachtungen. "Wohin damit" beschreibt auf einer (!) Seite einen nachvollziehbaren Gattenmord, der Tote in "Stumme Zeugin" wird von ungewöhnlicher Position aus beschrieben.
Überhaupt: Kargers Themen sind so ungewöhnlich nicht, die Betrachtungsweise ist es, die die Dinge zum Stolpern bringt, und "In-A-Gadda-Da-Vida" von Iron Butterfly wird als "Anmache" wohl nur noch vom doppelseitigen "Wish you were" übertroffen. Die Verlogenheit der jungen Jahre wurde kaum exakter dargestellt. Und das auch noch in aller Kürze ... Der Bildzyklus seines Buchpartners passt da perfekt."
Manfred Prescher
Münchner Stadtmagazin 11/99


"'KopfSteinPflasterEchos' nennt der Religionslehrer und Publizist Ulrich Karger seine Geschichten, die - zum Teil bereits in Anthologien erschienen - nun in einem Band vorliegen. Mit Wortwitz und Ironie, manchmal auch mit beißendem Sarkasmus, stellt der Autor Menschen und Situationen vor, die in jedem Leser ein 'Echo' hervorrufen. Da begegnen wir unter anderem dem coolen Jugendlichen, dessen Anmache in der Disco kläglich scheitert, einem in seiner Ruhe gestörten Parkbesucher und einem Zahnarztpatienten, der auf dem Behandlungsstuhl ein Wechselbad der Gefühle durchlebt.
Ergänzt und bereichert werden Ulrich Kargers Geschichten durch den Bilderzyklus 'Tanz der Kopffüßler' von Kolibri alias Werner Blattmann. Uralten Bildmotiven der Inuits nachempfunden, passen die Zeichnungen in ihrer subversiven Poesie ausgezeichnet zu den Realsatiren Kargers. Ein Buch zum Staunen, Wiedererkennen und trotzdem Lachen."
Dr. Claudia Puschmann
Ev. Welt - DIESE WOCHE Nr. 24; 11.06.00


"Dreiundzwanzig skurrile Szenen aus einem verrückten Alltag. Ganz harmlos: Was geht dem Polizisten durch den Kopf, wenn er einem falsch geparkten Auto einen Strafzettel an die Scheibe heftet? (...)
Gruselig: Ein frisch engagierter Totengräber fällt in die Grube und stirbt dort unten an Herzschlag.
Abartig: Jemand flüchtet vor seiner Frau auf die Toilette, richtet sich dort häuslich ein, macht sich unerreichbar.
Grausig: Eine Frau hat sich geschworen, nie wieder zu ihm aufzuschauen, greift zum Obstmesser, wundert sich, wie leicht seine Haut nachgibt (...).
Groteske Vorstellungen - oder Tagträume, die dicht unter der alltäglich biederen Maske warten, Ängste und Zwangsvorstellungen, die ungestaltet und unwiderstehlich dem Normalmenschen die mögliche Existenz als gequältes Opfer, als nach Blut dürstendem Sadisten oder als geldgierigem Leichenfledderer vorführen?
Der Schritt über die Grenze zwischen schlichtem Alltagsbenimm und der jähen Entgleisung wird unvorhersehbar, der Blick öffnet sich in das Gruselkabinett der eigenen Möglichkeiten.
Der einzelne Mensch erlebt seine Skurrilitäten fast als normal: Ich komm gut mit mir zurecht, das Problem sind die Anderen.
Ähnliches spielt sich auch in den Strichzeichnungen von Kolibri (alias Werner Blattmann) ab: der Kopffüßler, wie die Vorschulkinder ihn zeichnen, tanzt dem Schlipsträger auf dem Kopf herum, führt Frauen und Männer an seiner Leine, fährt auf dem Narrenschiff dahin und schafft sich einen Freiraum, in dem graue Anzugträger nichts zu beschicken haben."
Walter Bosse
Religion heute 40/1999





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